Kürzlich habe ich mein Publikationsverzeichnis aktualisiert – dabei sind mir einige Gedanken gekommen, über die ich hier kurz berichten möchte.
Meine erste „richtige“ Publikation habe ich 1978 mit Walter Hussy und Alexander von Eye geschrieben (schon 1977 hatte ich einen „Trierer Bericht“ = graue Literatur mitverfasst) – ich war stolz wie Oskar, als ich den zweiseitigen Artikel in der „Diagnostica“ gedruckt gesehen habe, der leider ziemlich bedeutungslos geblieben ist (er wurde – wie viele meiner Artikel – 0x zitiert). Seitdem habe ich viele Artikel verfasst. Zu viele? Es sind leider viele mittelmäßige dabei und nur ein paar besondere Beiträge, auf die ich stolz bin. Interessanterweise liefert Google Scholar einen völlig anderen Blick auf die Qualität meiner Arbeiten im Lichte der Zitationen (= eine der wichtigsten „Währungen“ in der wissenschaftlichen Welt und Grundlage für den Impact), die einige Artikel gefunden haben.
So ist das von Jürg Wassmann, Birgit Träuble und mir 2013 herausgegebene Buch Theory of mind in the Pacific. Reasoning across cultures (hier als PDF), wie ich finde, ein sehr gutes Beispiel für die Zusammenarbeit von Ethnologen und Psychologen in der Feldforschung in Ozeanien, wurde aber bislang „nur“ 33x zitiert. Natürlich ist das mehr als Null – trotzdem schade.
Mit (fast) jedem Artikel verbinden sich Erinnerungen an den Schreibprozess – meine Habilitation habe ich etwa zu großen Teilen nachts in der Stiftsstr. in Bonn geschrieben, dabei viele Erdnüsse vertilgt und manches Glas Elbling getrunken, ein trockener Weißwein, den mir Jean-Paul Reeff damals aus Luxemburg mitbrachte.
Mein Rat: schreibt, schreibt, schreibt solange es geht! Die Wahrscheinlichkeit, dass einer von den Beiträgen ein guter ist, erhöht sich dadurch. Natürlich gehört es zu den edelsten Aufgaben eines Wissenschaftlers zu publizieren. Am besten ohne Bezahlschranke, also open access (auch wenn das manchmal teuer ist). Die Wahrscheinlichkeit, dass ein frei zugänglicher Artikel zitiert wird, erhöht sich nicht zuletzt dadurch. Geld verdienen mit Büchern: Meine Bücher erreichen keine schwindelerregenden Auflagen, die Tantiemen halten sich im dreistelligen Bereich auf – macht nichts, ich werde von der Staatskasse ausreichend alimentiert. Und ich habe den Eindruck, dass mit jedem weiteren Artikel meine Übung im Schreiben von Artikeln wächst.
Natürlich muss man sich mit kritischen Reviews der Herausgeber (dem sog. peer review) auseinandersetzen – das ist manchmal nicht ganz einfach, weil man nicht immer alle Argumente der Gutachter akzeptieren kann. Im Laufe der Jahre bin ich hier stressresistenter geworden.
Wie geht man mit einem Artikel um, der gar nicht zitiert wird? Mein Rat: nicht darum kümmern, einfach den nächsten Artikel schreiben und hoffen, dass der rezipiert wird. Die meisten der (geschätzt) über 5 Millionen Fachartikel pro Jahr (hier eine Quelle) werden nicht 1x zitiert (hier eine andere Quelle). Das ist von Fach zu Fach unterschiedlich. Es geht eben immer um Aufmerksamkeit. Und das Matthäus-Prinzip gilt: Wer hat, dem wird gegeben.
Ganz interessant: Was liest eigentlich KI, wenn wir Fragen stellen? Eine Antwort gibt es hier: https://scite.ai/ai-reads.
Aufgefallen ist mir auch, dass ich mit 30 Jahren andere Schwerpunkte gesetzt habe als mit 60 – Theorie ist mir inzwischen wichtiger als Empirie geworden!
Seit 2005 schreibe ich diesen Blog – fast 1000 Einträge sind seither entstanden (das hier ist der 980.). Auch darunter gibt es gute und weniger gute Beiträge. Meine Lieblinge habe ich schon früher einmal zusammengestellt (sie sind hier und hier zu finden).
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