
Leo Montada ist am 1.5.2026 im Alter von 88 Jahren in Konstanz verstorben (danke, Edgar G., für die Info!).
Als ich zusammen mit Annemarie Fritz 1975 von Basel nach Trier kam (dank Klaus Schneewind, der damals eine Lehrstuhlvertretung an der Uni Basel in der Vakanz von Hans Kunz machte), war ein junges Team am Start an der 1970 wieder eröffneten Uni Trier, damals noch am alten Standort Schneidershof in den ehemaligen Nazi-Kasernen Die Uni Trier war für Geisteswissenschaften zuständig, für Naturwissenschaften war die Partneruni TU Kaiserslautern zuständig. Damals gab es wenige Studierende (u. a. Walter Braukmann†, Claudia Dalbert, Annemarie Fritz, Edgar Geissner, Barbara Reichle, Manfred Schmitt – heute sind es >1000 Studierende und Trier ist eines der größten Institute in der BRD) und ein engagiertes Team aus Professoren (z. B. Dieter Bartussek, Peter Becker, Jochen Brandtstädter, Sigrun-Heide Filipp, Leo Montada†, Günther Reinert†, Reinhold Scheller, Klaus Schneewind, Peter Schwenkmezger† – heute sind es 17 Professuren) und Mitarbeitenden (u. a. Manfred Fischer†, Horst Gräser†, Werner Greve, Fritz Heil, Walter Hussy, Günter Krampen†, Hans Sittauer).
Als „Strippenzieher“ galten damals die Professoren Günther Reinert (1928-1979: früh verstorben) und Leo Montada. Günther Reinert war laut WP „mitverantwortlich für Konzeption und Einrichtung (im Jahr 1965) des Sondersammelgebiets Psychologie an der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek in Saarbrücken mit, und baute ab 1971 an der Universität Trier die Zentralstelle für Psychologische Information und Dokumentation (heute: Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID) auf, deren Leitung er bis 1979 innehatte.“ Die beiden Strippenzieher haten eine Arbitsteilung: Leo Montada kümmerte sich um den Institutsaufbau, Günther Reinert um das einzige Institut auf der „blauen Liste“ der Leibniz-Gemeinschaft, das bis heute der Psychologie gewidmet ist.
Auf der Seite „Historie“ schreibt das ZPID unter dem Jahr 1970: „Der Vorstand der DGPs beschließt im Frühjahr 1970 unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Carl Friedrich Graumann die Gründung eines Instituts für Psychologische Information und Dokumentation. Diesem Beschluss schließt sich wenig später die gemeinsame Vorstandschaft der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen und im Herbst 1970 auch die Mitgliederversammlung der DGPs an. Im Auftrag der DGPs und in Zusammenarbeit mit dem IDW entwickelt Prof. Dr. Günther Reinert einen Organisations- und Finanzierungsplan.“
Montada war zusammen mit dem 2024 verstorbenen Rolf Oerter Herausgeber einer dicken Schwarte zur Entwicklungspsychologie (1987 erstmals erschienen, 2008 in der 6. Auflage), die wir als Studierende natürlich lesen mussten. Und ich erinnere mich an Seminare, in denen er schlecht vorbereitet war, weil er gerade wieder von irgendeiner wichtigen Sitzung zurückkam – wenn er extemporierte, lief er zur Höchstform auf! Ich habe viel gelernt.
Sein Spitzname war der „Fuchs“, weil er in Verhandlungen immer super Ergebnisse erzielt hat. Als ZPID-Direktor in den 25 Jahren von 1979-2004 trug er ganz wesentlich zur Institutionalisierung dieses einzigartigen Instituts bei. Hier der Nachruf vom ZPID: https://leibniz-psychology.org/das-institut/historie/nachruf-leo-montada, der seine Beiträge nochmals zusammenfasst. Der spätere ZPID-Direktor von 2004-2017 Günter Krampen (siehe meinen Nachruf auf ihn) hatte mich für den Beirat des ZPID vorgeschlagen – ein Ehrenamt, in dem ich einiges über und von Leo Montada lernen konnte (siehe auch meinen Blog zum 40jährigen Jubiläum des ZPID im Jahr 2012).
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