Heidelberger Geist

Als ich 1997 von Bonn nach Heidelberg wechselte, machte ich – vermittelt durch Manfred Amelang – erstmals Bekanntschaft mit dem „Heidelberger Geist“. Was hat es damit auf sich?

Dem lebendigen Geist

Dem lebendigen Geist

Der Heidelberger Geist repräsentiert eine Form von Kollegialität, die heute nicht mehr an vielen Instituten anzutreffen ist und im wesentlichen darin besteht, dass die elf Professorinnen und Professoren sich die Institutsressourcen gemeinsam teilen und kein Lehrstuhlprinzip [=jeder Professor verhandelt mit der Verwaltung selber einen bestimmten Betrag aus] bei der Mittelverwaltung existiert. Dies betrifft nicht nur zentrale Dienste wie Porto und Telefon, sondern auch die vielerrorts heiklen Raumressourcen.

Natürlich gibt es Kontingente, etwa im Hinblick auf studentische Hilfskräfte. Aber der Heidelberger Geist sorgt dafür, dass im Fall überdurchschnittlichen Bedarfs Aushilfe von Kollegen selbstverständlich ist. Auch Sekretariatsressourcen können aufgabenabhängig umverteilt werden. Selbst das mehrjährige „Ausleihen“ einer Personalstelle im Rahmen eines Rotationssystems gehört dazu.

Dieses Prinzip basiert auf gegenseitiger Wertschätzung, auf Vertrauen, auf wechselseitigem Geben und Nehmen, auf Verlässlichkeit von gegebenen Zusagen. Es ist ein hohes Gut und schafft zudem eine positive Arbeitsatmosphäre. Dass das auch von außen positiv wahrgenommen wird, zeigte der jüngste Rektoratsbesuch bei uns: Prorektor Roth war offensichtlich positiv beeindruckt – wenigstens das, wo er in Sachen Finanzen, Räume und Personal doch eher zurückhaltend auftrat (die Gelddruckmaschine für’s Rektorat steht auf der Liste dringender Erfindungen). Auch die äußerst unterstützenden Worte von Dekan Andreas Kruse zur Einschätzung unseres Faches und der besonderen Heidelberger Situation haben hier sehr geholfen.

Womit wir bei PR Roth punkten konnten: Als Naturwissenschaftler sah er sofort ein, dass der Betrieb von über 10 Laboren (ja, tatsächlich: so viel verschiedene Laboreinheiten betreiben wir zusammen!) ohne Laborpersonal ein Unding ist – die von GD Dirk Hagemann zum Vergleich herangezogenen Psychologischen Institute aus der Spitzengruppe des CHE-Rankings haben dafür zwischen 5 und 18 Personen dauerhaft beschäftigt!

Zurück zum Heidelberger Geist: Die gute Atmosphäre im PI unterscheidet sich sehr positiv von manch anderer wissenschaftlicher Einheit, die von Streit und Missgunst geprägt ist (die Romanisten will ich negativ hervorheben, weil der dortige aktuell stattfindende Streik der Studierenden zeigt, dass fehlende Kooperationsbereitschaft schnell auf die Basis durchschlägt). Die bei uns gegebenen Chancen zu hoher Produktivität und Kooperation werden wir in der diesjährigen Budgetierungsverhandlung herausstellen. Wir hoffen, dass dann auch ein paar materielle Verbesserungen zu erzielen sind.

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