Psychologie-Studium boomt

Die Zahl der Psychologie-Erstsemester hat sich in zwanzig Jahren vervierfacht! Wow!

Vom CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) sind folgende nützliche Informationen bereitgestellt worden: DatenCHECK 7/2026 Psychologie studieren: https://hochschuldaten.che.de/psychologie-studieren/ Auf diesen CHE-Seiten lese ich:

Im Wintersemester 2024/25 studierten rund 116.500 Menschen in Deutschland ein Fach mit Psychologiebezug. Davon waren knapp 60 Prozent an Universitäten und 40 Prozent an Hochschulen für angewandte Wissenschaften, kurz HAW, eingeschrieben.

Der starke Ausbau der Studienangebote – besonders an den HAW – hat die Zahl der Erstsemester deutlich erhöht. Lag sie im Wintersemester 2004/05 noch bei knapp über 3.000, waren es im Wintersemester 2024/25 mehr als 12.000 Studienanfänger*innen pro Jahr. Warum kam es zu diesem Anstieg?

Kurz gesagt: Die Zahl ist nicht explodiert, weil plötzlich viermal so viele Leute Psychologie wollten – die Nachfrage war seit Jahrzehnten konstant hoch und übersteigt bis heute das Angebot an den Unis. Was sich geändert hat, ist das Angebot, vor allem außerhalb der klassischen Universitätspsychologie. – Die Fakten dazu:

1. Die Zahlen waren lange stabil, dann kam ein Bruch. Zwischen Wintersemester 1998/99 und 2007/08 lag die Zahl der Erstsemester ein ganzes Jahrzehnt konstant unter 4.000. Erst danach der starke Anstieg – auf über 12.000 im WS 2023/24.

2. Der Treiber ist strukturell, der Anstieg geht laut CHE-Analyse zum Großteil auf neue Angebote an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) und privaten Hochschulen zurück – Wirtschaftspsychologie, Angewandte Psychologie. Diese Studiengänge gab es an HAW erst ab 1998 in nennenswertem Umfang. Die Politik wollte es so.

3. Die Statistik verwischt eine wichtige Unterscheidung. Das Statistische Bundesamt trennt nicht zwischen klassischer Uni-Psychologie und den neuen HAW/Wirtschaftspsychologie-Angeboten. Das heißt: Die 12.000 Erstsemester sind nicht 12.000 Menschen, die dasselbe Fach studieren wie noch 2004.

4. Der Zulassungsmechanismus hat sich verschoben. Im Zuge der Bologna-Umstellung ist Psychologie an Unis aus dem zentralen ZVS-Verfahren herausgefallen, die Unis vergeben Plätze seitdem selbst – meist über Abiturnote plus zunehmend den Studieneignungstest BaPsy-DGPs. Private Hochschulen nutzen andere Kriterien.

Was das für die Frage bedeutet: Die eigentliche Frage ist nicht „warum wollen plötzlich so viele Menschen Psychologie studieren“, sondern „warum wurde das Angebot an HAW und privaten Hochschulen ausgebaut, während die Uni-Kapazitäten NC-begrenzt blieben“. Das ist eine Antwort auf Marktnachfrage, die die Unis nicht bedienen konnten oder wollten – private Anbieter haben die Lücke gefüllt, zu Kosten von 23.000–30.000 Euro fürs Bachelorstudium, während das Fach an staatlichen Unis weitgehend kostenlos bleibt.

Ob die Qualität/Anerkennung dieser neuen HAW-Wirtschaftspsychologie-Abschlüsse auf dem Arbeitsmarkt gleichwertig zu klassischen Abschlüssen der Uni-Psychologie behandelt wird – dazu gibt es keine belastbare Quelle. Das wäre aber die eigentlich interessante Frage, wenn man wissen will, was diese Zahl praktisch bedeutet. Klar ist nur eines: Die privaten Hochschulen verdienen an der hohen Nachfrage viel Geld; ein Studienplatz in Psychologie ist ja gar nicht so teuer. Umso erstaunlicher, dass man auch Medizin an privaten Hochschulen studieren kann (z. B. Universität Witten/Herdecke, Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB), HMU Health and Medical University: Erfurt und Potsdam, MSH Medical School Hamburg & MSB Medical School Berlin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Asklepios Campus Hamburg).

Was sagt eigentlich der Wissenschaftsrat zu den privaten Hochschulen? Dort lese ich in einer aktuellen Stellungnahme unter der Überschrift „Chancen privater Hochschulen besser nutzen“: „Der private Hochschulsektor hat sich von einer Randerscheinung zu einem wichtigen und dauerhaften Bestandteil der deutschen Hochschullandschaft entwickelt. Mit 27 Prozent befindet sich heute fast ein Drittel der Hochschulen hierzulande in privater Trägerschaft, 13 Prozent aller Studierenden haben eine private Hochschule gewählt. Private Hochschulen erweitern mit ihren flexiblen Angeboten die Teilhabe an der Hochschulbildung und tragen damit zur akademischen Fachkräftesicherung bei.“ Na gut!

siehe auch https://joachimfunke.de/2025/02/27/psychologie-an-einer-privaten-hochschule-studieren/

und – schon älter – https://joachimfunke.de/2007/10/08/die-neuen-erstsemester-sind-da/

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