Weltuntergang?

Für mich als Nachkriegskind (1953 geboren) war mir Krieg nur aus Erzählungen der Eltern und älteren Menschen bekannt. Ich habe bislang im Frieden gelebt und kann mir ehrlich gesagt auch kaum etwas anderes vorstellen. Umso erschreckender, dass wir nun schon den zweiten Jahrestag des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine begehen. Eigentlich hat der russische Krieg schon mit der Annektierung der Krim vor 10 Jahren begonnen, die westliche Welt (ich inbegriffen) wollte es nur nicht wahrhaben. Am Rand Europas wird täglich in schrecklicher Weise zerstört und getötet, und die Gefahr eines Flächenbrandes ist noch nicht vorbei. In der Ukraine wird wohl auch unsere Freiheit verteidigt!

Passend zum Jahrestag habe ich diese Woche einen Vortrag zum Thema „Weltuntergang“ gehalten – die Ängste und Sorgen sind ja da. Die evangelische Johannesgemeinde Neuenheim veranstaltet ihr 10. Forum zum Thema „Das Ende der Welt“.

In der „Süddeutschen Zeitung“ las ich dazu kürzlich folgenden Text: „Der gewohnte, mithin die Lebensgeister weckende Morgen beginnt ja so: Radio oder Laptop an, Nachrichten checken. Krieg in Gaza, Putin ist auf dem Vormarsch, die Polkappen schmelzen, die Ampel streitet, Unwetter, Arten sterben, Merz. Dazu Wutbauern, völkische Plärrer, verrottende Kaufhäuser, und über allem schwebt Trump wie ein böser Dämon, der die UNO, die NATO, das Klima und die Bundesliga abschaffen will. .. Haben wir das Neueste vom Tage vernommen, ist klar: die Welt ist wieder ein Stück schlechter als am Vortag.“ (SZ vom 17.2.24, S. 1).

im Zuge meiner Vortragsvorbereitungen las ich neben vielen anderen Texten zu apokalyptischen Ängsten das Buch „Exit Mundi“ von Maarten Keulemans (2010). Dort findet sich auf über 600 Seiten eine Zusammenstellung aller möglichen Weltuntergangs-Szenarien (natürlichen Ursprungs, aber auch übernatürlichen Ursprungs). Das Buch ist so amüsant geschrieben, dass ich es sogar vor dem Einschlafen lesen konnte und keine Albträume davon bekam. Seine Webseite ist hier.

Das zeigt auch schon eine der Regulationstechniken, mit denen die Angst vor solchen katastrophalen  Ereignissen bekämpft werden kann: Humor! Andere Techniken sind Rationalisierung und Intellektualisierung: „ist ja nur Ketchup“, wenn im Film Blut fliesst; Vermeidung und Verleugnung: „das schaue ich mir jetzt nicht länger an“.

Natürlich kann man keinen Krieg „weglachen“! Aber bei Angst muss man genau hinschauen: die begründete Angst ist wichtig, die unbegründete Angst ist dagegen schädlich. Angst kann lähmen, aber auch motivieren! Als gebürtiger Rheinländer habe ich natürlich gelernt: „Et kütt, wie et kütt“  (es kommt, wie es kommt). Das ist die Technik der Gelassenheit. In Kriegszeiten schwierig anzuwenden.

Die nächsten Vorträge in dieser Reihe:

29. Februar 2024 – Donnerstag, 19 Uhr – Johanneshaus: „Hoffnung auf die Vollendung des Reiches Gottes – Endzeit, Zukunft und Gegenwart in Christlicher Perspektive“,
Prof. Dr. Markus Mühling, Kirchliche Hochschule Wuppertal

07. März 2024 – Donnerstag, 19 Uhr – Johanneshaus: „Faszination Apokalypse – Was haben wir davon“,
Prof. Dr. Thomas Meier, Käthe-Hamburger-Kolleg für Apokalyptische und Postapokalyptische Studien (CAPAS) der Universität Heidelberg

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