Mein Parkinson (3)

Nachdem ich im März 2024 meine atypische Parkinson-Erkrankung (seltene Unterform PSP-CBD) öffentlich gemacht habe:

https://joachimfunke.de/2024/03/14/mein-parkinson/ = Mein Parkinson (1)

und ein Jahr später im März 2025 einen „Fortschritts-Report“ geliefert habe

https://joachimfunke.de/2025/03/14/degenerativ-heisst-degenerativ/ = Mein Parkinson (2),

ist es nun (März 2026) an der Zeit, erneut einen Bericht zu liefern, also jetzt „Mein Parkinson (3)“.

Im vergangenen Jahr bin ich oft gestürzt (so zählt mein Sturz-Tagebuch für das vergangene Jahr 2025 insgesamt 45 Stürze – in diesem Jahr bislang erst 6 Stürze -, meist mit dem Zusatz „mir ist nichts passiert – ich danke meinen „Schutzengeln“). Meine Frau, die ja Schriftstellerin ist, hat kürzlich ein paar Zeilen unter dem Titel „Bermudadreieck Badezimmer“ über meine Stürze (vor allem meint sie den Sturz in unsere Badewanne, aus der ich mich nur mit Hilfe eines starken Mannes vom DRK-Notruf wieder befreien konnte) geschrieben:

„Ein Schritt zurück
ins Wanken gekommen
mit Entsetzen im Blick
in die Wanne gekippt

Käfer auf dem Rücken
Arme rudern, Beine zucken
der Kopf noch heil?
die Rippen ganz?

Was für ein Glück, nichts
ist zerschellt am Wannenrand
da lacht der Rheinländer
et hätt noch immer joot jejange

Aber aus Bermudas Badewanne
kommt der rheinische Käfer nicht heraus
zugedeckt und warmgehalten
starke Arme, Rotes Kreuz,
dann krabbelt er wieder
den Schreck in den Gliedern

Sturz auf Sturz
bleib bei uns Glück
doch die Angst weiß:
et kütt wie et kütt“ (November 2025)

Mein Pflegegrad wurde weiter erhöht (von 2 auf 3). Ich habe erste Rollstuhl-Erfahrungen gesammelt (danke, lieber Edgar, für das Schieben durch die Völklinger Hütte im Oktober 2025!) und einen Aktiv-Rollstuhl (mit elektrischem Antrieb) bei der (empfehlenswerten!) Firma Rehability bestellt. In der Wohnung ist ein Rollator hilfreich (und inzwischen notwendig), außerhalb brauche ich Begleitung (eine Hand zum Festhalten). Mit tatkräftiger Unterstützung meiner Frau ist mir die Teilhabe an zahlreichen Aktivitäten noch möglich! Danke, liebe Marlene, dafür! Und – im Institut – danke, lieber Dirk, für die Begleitung beim montäglichen Mittagessen!

Es mögen zwar Dopamin-Rezeptoren verlorengegangen sein, aber es steht noch genug Dopamin zum Lachen und Weinen zur Verfügung – und ich lasse den Kopf nicht hängen … Der eindrucksvolle Film „Ach diese Lücke“ etwa hat bei mir beides ausgelöst! Und, was toll ist: Ich komme noch immer zum Schreiben (nulla dies sine linea!) – ein Buch-Beitrag über „Climate change as serious world problem“ (wird im Laufe des Jahres 2026 erscheinen) und ein Journal-Beitrag „Complex Problem Solving: Origins, Crises, and Future Directions“ (mein wissenschaftliches „Vermächtnis“; auch das wird wohl erst im Laufe des Jahres 2026 erscheinen) sind jüngst entstanden, ein (optimistischer) Beitrag über „Fear for the future of humanity? A psychologist’s comments on worries about the end of the world“ wurde vom Journal „Apocalyptica“ leider abgelehnt. Geplant ist auch ein Beitrag zum „Handbuch Offene Gesellschaft“. Und natürlich betelige ich mich am aktuellen „Heidelberger Jahrbuch“ 2026 mit einem Beitrag „Meilensteine der modernen Psychologie“.

Was mich sehr stört, ist die Apraxie der linken Hand. Ärzte sprechen von einer „alien hand“ – ich selbst glaube nicht an diese Diagnose: Es ist meine Hand, auch wenn sie manchmal seltsame Dinge macht. Mit nur einer Hand Zeitung zu lesen (insbesondere die großformatige ZEIT) ist mir kaum mehr möglich. Ich brauche dann den ganzen Tisch als Ablage. Wie gut, dass ich die jeweils aktuellen Ausgaben meist digital auf meinem Tablet (iPad) lesen kann.

Viele Aktivitäten des normalen Alltags fallen einhändig sehr schwer oder gehen gar nicht mehr. Meine Frau hat kürzlich ein paar Zeilen über meine apraktische Hand geschrieben:

„Das Bein will nicht mehr so, wie du willst. Die Hand schon lange nicht mehr.
Alien hand nennt es die Medizin. Die Faszination des Absonderlichen. Als käme sie aus einer anderen Welt, vielleicht bedrohlich, auf jeden Fall absonderlich.“ Und wieder mal Marlene Bach mit einem Gedicht:

„Wir lachen darüber. Ich weiß, dass das meine ist, sagst du.
Kein Monster, kein Alien, das Angst macht. 
Nur eine Hand mit einem eigenen Willen.
Wenn sie auf meinem Bein liegt, gibt sie Ruhe. Immer.

Eine Hand, die weiß, wo ihr zu Hause ist, ohne dass sie dafür einen Kopf braucht,
ist vor allem eins: außerirdisch klug.“

Sehr liebe Zeilen, die mich über den Verlust hinwegtrösten! Danke dafür!

Manches geht noch, alles geht langsamer – parallel geht gar nichts mehr (liegt das am Alter oder ist es krankheitsbedingt?). Meine Multitasking-Fähigkeiten sind auf Null reduziert, die Bewegungskontrolle fordert volle Aufmerksamkeit. Beim Gehen kann ich nichts mehr erzählen, ich muss mich auf das Gehen konzentrieren. Schade eigentlich – beim Gang auf dem Philosophenweg ist mindestens ein Artikel im Gespräch konzipiert worden … (Stocker & Funke, 2019; siehe hier).

Meine Stimme ist rauh und kratzig geworden. Die Teilnahme an einer Reihe von Veranstaltungen (inkl. Kino) ist – dank Hilfe – auch noch möglich. Langes Stehen und Gehen: Das geht gar nicht mehr. Langes Sitzen hängt von den Sitzmöbeln ab: Klappstühle können schon bald ungemütlich werden …

Besucher kommen auch erfreulicherweise bei uns in Dossenheim vorbei oder treffen mich im Café Frisch, wo man gut und vor allem nah parken kann. Wie toll!

Marc Aurel hat einmal in seinen Selbstbetrachtungen geschrieben (danke, lieber Urs, für diesen Hinweis): „Wenn du etwas verlierst, schau dich um nach dem, was da ist.“ Ein einfacher Satz, aber schwer zu verwirklichen. Ich versuche mich im Moment an der Verwirklichung dieses Spruchs!

Fazit: Die posturale Instabilität nimmt leider zu, die psychische (und kognitive) Stabilität bleibt – so hoffe ich – auf gutem Niveau erhalten. Und ich hoffe, noch einige Fortsetzungen zu diesem Thema schreiben zu können!

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