„Nulla dies sine linea“

Hieß mein Lebensmotto früher „nulla dies sine linea“ – kein Tag ohne eine geschriebene Zeile –, so lautet es für mich nun (seit meiner Erkrankung): „nulla dies sine exercitium“ – kein Tag ohne Übung!

Das ursprüngliche Motto wird – einer Anekdote von Plinius zufolge – dem griechischen Maler Apelles zugeschrieben, der damit vermutlich nicht das Schreiben, sondern das Malen meinte. Doch für mich stand es lange für die Disziplin des täglichen Schreibens. Ein Zwang? Keineswegs! Aber ohne Ausdauer bleibt vieles im Verborgenen, das darauf wartet, hervorgebracht zu werden.

Heute haben sich meine Prioritäten verschoben. Physiotherapie, Ergotherapie, Stimmtherapie – es gibt kaum einen Bereich, in dem gezieltes Üben nicht sinnvoll ist (und mit zunehmendem Alter notwendig wird – „use it or lose it“). Doch den Stift führe ich längst nicht mehr mit der Hand – die ist (infolge degenerativer Prozesse) zu steif. Stattdessen habe ich die Vorteile des Diktierens für mich entdeckt. Perfekt ist es nicht, aber gut genug, um meine Gedanken festzuhalten.

Von der Schreibdisziplin zum Therapiezwang? Keineswegs! Einer meiner Therapeuten (Philip H.) sagte einmal: Mit das Wichtigste beim Training ist die Pause.“ Welch ein Glück! (Erinnert mich an das Lob des Leerzeichens). Dann bleibt Zeit, den Griffel zu wetzen – oder besser: die Stimme zu erheben. Es geht alles langsamer, aber es geht noch – und das ist die Hauptsache!

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