Ruhestand für Hinrich Bents vom ZPP

Der Leiter des Zentrums für Psychologische Psychotherapie (ZPP) der Universität Heidelberg, Dr. Hinrich Bents, tritt zum Juli 2022 in den Ruhestand. Vor 20 Jahren begann unter seiner Leitung das ZPP Heidelberg seine Tätigkeit als staatlich anerkanntes Ausbildungsinstitut für Psychologische Psychotherapie. Dieses Jubiläum wurde nun am 30. Juni 2022 bei sommerlichen Temperaturen in der Alten Aula der Universität Heidelberg mit einer Fachtagung gewürdigt, auf der die Entwicklungen der letzten 20 Jahre in der Aus- und Weiterbildung universitärer Psychotherapie reflektiert und Ausblicke auf die Zukunft der Profession gewagt wurden.

Prof. Dr. Thomas Fydrich (HU Berlin), langjähriger Vorsitzender des Verbundes universitärer Aus- und Weiterbildungen in Psychotherapie (unith), und Dr. Dietrich Munz (Stuttgart), Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg und der Bundespsychotherapeutenkammer, sprachen zur Psychotherapieausbildung im neuen Approbationsstudium und zur zukünftigen Weiterbildung in Psychotherapie.

Hinrich Bents am Pult der Alten Aula

Grußworte wurden gesprochen von

  • Prof. Dr. Anja Désirée Senz, Prorektorin für Studium und Lehre der Universität Heidelberg; sie ist als Rektoratsmitglied in die zahlreichen Prozesse zur Änderung des Studiengangs „Psychologie“ involviert.
  • Ministerin Theresia Bauer MdL, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg; sie ist stolz auf ein Vorzeigeprojekt und betonte die Rolle des ZPP für die Krankenversorgung der Metropolregion Rhein-Neckar.
  • Prof. Dr. Sabina Pauen, Geschäftsführende Direktorin des Psychologischen Instituts der Universität Heidelberg; auch sie ist stolz auf die Abteilung ZPP am Psychologischen Institut und zeigte am konkreten Beispiel des ADHS-Sommercamps, wie aus einem gut evaluierten Modellprojekt in Heidelberg ein Angebot in der bundesweiten Regelversorgung wurde.
  • Prof. Dr. Sabina Herpertz, Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie der Universität Heidelberg; sie zeigte auf, dass die gelegentlich spannungsreiche Verbindung Psychiatrie-Psychologie an der Uni Heidelberg gut funktioniert.
  • Dr. Friedrich Kapp, Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor, Dozent und Selbsterfahrungsleiter des ZPP Heidelberg: entlang der drei Buchstaben Z, P und P hielt er eine sehr witzige Rückschau, ich sage nur: „ui ui ui“!

Unter dem Titel „Wie es begann – Erinnerungen an die Gründungszeit“ tauschten nach einer Kaffeepause in der „Bel Etage“ unter der Moderation von Dr. Eva Vonderlin (als Nachfolgerin von Hinrich Bents) die Beteiligten Prof. Dr. Josef Bailer, Prof. em. Dr. Reiner Bastine, Prof. Dr. Peter Fiedler, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Herta Flor, Prof. Dr. Thomas Fydrich, Prof. Dr. Annette Kämmerer und Prof. Dr. Eibe Rudolf Rey Erinnerungen aus der ZPP-Frühzeit aus. Man konnte merken, dass die Wurzeln des ZPP weit zurückreichen.

Podium vlnr: Kämmerer, Fiedler, Bastine, (Vonderlin), Fydrich, Rey, Flor, Bailer

Eibe Rey erwähnte einen einflussreichen Verhaltenstherapie-Kongress am MPI in München Ende der 1960er Jahre; Reiner Bastine hat seit 1972 – seine Berufung nach Heidelberg – den Auftrag zur Verbindung von Wissenschaft und Praxis ernst genommen, sein „scientist-practitioner“-Ansatz ist bis heuter massgeblich; Peter Fiedler wies auf das DFG-Graduiertenkolleg „Klinische Emotionsforschung“ mit 26 Doktoranden hin; Thomas Fydrich nannte die Vorläufereinrichtung PFPB und die zahlreichen Hintergrundaktivitäten, Telefonate und administrative Planungen; Annette Kämmerer schliesslich machte noch mal die hohe Kollegialität deutlich, was die anwesenden Mannheimer (dort gibt es ein Partner-ZPP) bestätigen konnten.

Anschließend hat sich Hinrich Bents mit einem Rückblick auf 20 Jahre ZPP Heidelberg aus der Leitung des Instituts verabschiedet. Von seinem Team erhielt er reichlich Blumen, die ihn in seiner Wehmut trösten sollen.

Ich zitiere aus der Einladung: „Das ZPP Heidelberg, als Kooperation zwischen der Universität Heidelberg, dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und der Universität Mannheim gegründet, erhielt in 2002 seine staatliche Akkreditierung für den Ausbildungsgang Psychologische Psychotherapie. 2010 wurde das Angebot um die Ausbildung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und 2011 um eine strukturierte Weiterbildung in ärztlicher Psychotherapie erweitert.
Mit der 2020 in Kraft getretenen Reform des Psychotherapeutengesetzes wird die Ausbildung zum Psychotherapieberuf zukünftig auch in Heidelberg in einem Approbations-Studiengang des Psychologischen Instituts der Universität stattfinden, während die verfahrensbezogene Fachkunde in einer sich anschließenden mehrjährigen Weiterbildung am ZPP Heidelberg als von der Psychotherapeutenkammer ermächtigter „Weiterbildungsstätte“ erworben werden kann.
Das 20jährige Jubiläum des ZPP Heidelberg gibt uns Gelegenheit, mit Vorträgen von Prof. Dr. Thomas Fydrich und Dr. Dietrich Munz als zwei der „Architekten“ der Psychotherapiereform aus erster Hand Rück-, Ein- und Ausblicke zu dieser Entwicklung zu erhalten. Außerdem werden uns die Gründungsmütter und -väter des ZPP in einem gemeinsamen Podiumsgespräch auf die ursprünglichen Visionen zur Professionalisierung des Psychotherapieberufs zurückblicken lassen.
Zum Abschluss wird Dr. Hinrich Bents in einer persönlichen Retrospektive darstellen, dass auch ein Institut seine Entwicklungsphasen, Herausforderungen und adoleszenten Identitätsprüfungen durchlaufen muss, um die eigene Zukunft gestalten zu können. Dazu gehört nun auch die Transition.“

Im Anschluss an die Tagung fand das legendäre ZPP-Sommerfest in den Gärten der Breidenbach-Studios statt, an dem ich leider nicht teilnehmen konnte. Ich bin sicher: da habe ich was verpasst!

Hier noch ein RNZ-Beitrag vom 21.6.2022 zum Ausscheiden von Hinrich Bents:

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Lieber Hinrich: toll, was ihr da in den letzten 20 Jahren aufgebaut habt! Und willkommen im Club! Möge der Ruhestand Dir mit seinen neuen Freiheiten schöne neue Herausforderungen bieten!

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