Farewell an Ursula Christmann

Eine Expertin der Interdisziplinarität verlässt meine Arbeitseinheit Allgemeine und Theoretische Psychologie: Frau apl. Prof. Dr. Ursula Christmann ist zum 30.6.2018 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, hat aber ihre Lehrveranstaltungen in diesem Sommersemester dankenswerterweise noch bis zum Ende gebracht. Seit 1.4.1989 steht sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in den Diensten unseres Instituts, anfangs halbtags, später ganztags. Ein paar akademische Eckpunkte ihrer Biografie: 1951 in Landstuhl geboren, 1975 Diplom in Übersetzungswissenschaft an der Universität Mainz; 1980 Diplom in Psychologie an der Universität Heidelberg; 1988 Promotion zum Dr. phil. an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität Heidelberg; 2000 Habilitation an der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Universität Heidelberg (Venia legendi für das Fach Psychologie); schließlich 2005 Ernennung zur ausserplanmäßigen (apl.) Professorin.

Lehre hat sie von Anfang an regelmäßig sowohl im Nebenfach als auch im Hauptfach Psychologie angeboten. Gerade für Hauptfachstudierende hat sie variable und abwechslungsreiche Inhalte in die Lehre für die Hauptfachstudierenden eingebracht. So bot sie wiederkehrend Lehrveranstaltungen zu folgenden Themen an: Gedächtnispsychologie; Angewandte Gedächtnisforschung; Sprachpsychologie; Metapher, Witz, Ironie; Textverarbeitung; Sprache und Denken; Lernstrategien; Argumentationsintegrität; Emotion; Stressentstehung – Stressbewältigung; Motivation; Medienkompetenz; Einführung in die Psychologie; Grundzüge der Psychologie; Emotion und Kognition; Kommunikation. Dass sie winters wie sommers jeweils den zweiten Teil der Vorlesung Allgemeine Psychologie I und II übernahm, habe ich als große Entlastung für mich angesehen! Die Betreuung von Abschlussarbeiten (darunter preisgekrönte wie die Masterarbeit von Anne-Louise Göhring sowie die Diplomarbeit von Dr. Lisa Scharrer) und Dissertationen gehörte natürlich auch dazu.

In ihrer Forschung ist sie breit aufgestellt. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen einen großen Teil der Kognitionspsychologie: Sprach-, Text- und Kommunikationspsychologie, Psychologie des Lesens, Argumentationsintegrität, Hypertext, Metaphern, Psycho- und Pragmalinguistik, Kognitive Lerntheorien und Lernstrategien, Forschungsprogramm ‚Subjektive Theorien‘ – so die Themenliste auf ihrer Homepage. Diese Breite wurde durch zahlreiche Drittmittelprojekte belohnt, darunter die DFG-geförderten Vorhaben zur Argumentationsiontegrität (von 1988-1997 gefördert im Rahmen des SFB 245 „Sprache und Situation“; von 1997-2000 gefördert im DFG-Normalverfahren), zu Hypertexten (von 1998-2005 gefördert im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms „Lesesozialisation in der Mediengesellschaft“) sowie zum Paradox der ästhetischen Einstellung (von 2009-1012 gefördert im Rahmen des Innovationsfonds Frontier, als Teil der Exzellenzinitiative der Universität Heidelberg).

Die Ergebnisse ihrer Forschung hat sie regelmäßig sowohl national wie auch international publiziert (hier die bei ZPID hinterlegte Publikationsliste). Sie ist mit 17 Einträgen in PsycInfo und mit 92 Einträgen in Psyndex verzeichnet; dabei ist zu beachten, dass eine Reihe ihrer Arbeiten an der Schnittstelle zu anderen Fächern liegt (Germanistik, Sprachwissenschaft, Linguistik, deren Rezeption in den fachspezifischen Datenbanken nur unzureichend abgebildet wird. Auch in Sachen Konferenzdurchführung war sie mehrfach aktiv, zuletzt in diesem Juni die Tagung des Forum Friedenspsychologie.

Von den vielen verschiedenen Ämtern und Funktionen, die Frau Christmann im Laufe ihrer fast 30jährigen Tätigkeit bei uns in der Selbstverwaltung übernommen hat, möchte ich zwei hervorheben: zum einen das Amt der Gleichstellungsbeauftragten, das sie von 1998 bis 2018 (!) ausübte und über das der Gastbeitrag von Norbert Groeben ausführlicher informiert; zum anderen ihre Tätigkeit als Vorsitzende der Ethik-Kommission unserer Fakultät, die sie seit 2012 (dem Jahr, in dem wir diese Kommission eingerichtet haben) ausübt und seither über 100 Ethikanträge mit großer Sorgfalt und hoher Geschwindigkeit prozediert hat. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Antragsteller die erteilten Auflagen nachvollziehen konnten und verstehen, dass dies ein Beitrag zur Qualitätssicherung unserer hauseigenen Forschung darstellt.

Liebe Frau Christmann: im Namen des gesamten Instituts, aber auch ganz persönlich sage ich „Danke!“ für all das, was Sie für uns in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geleistet haben! Das wird eine große Lücke hinterlassen! Und natürlich wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihren nun beginnenden neuen Lebensabschnitt geniessen können! Sie werden ja unserem Institut noch eine Weile über die Ethik-Kommission, aber auch über Lehraufträge aktiv verbunden bleiben!

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