Masterfeier mit Talar?

Funke mit Talar & Barett

JF mit Talar & Barett (es kommt noch eine orange Schärpe dazu) - und natürlich NUR für Studierende, NICHT für Professoren!

„Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“ – das war ein beliebter Spruch zu Zeiten der Studentenrevolte in den 1970er Jahren (ich habe ihn damals als junger Student auf der Strasse selbst skandiert). Der damit verbundene Angriff auf undemokratische, autoritäre und elitäre Strukturen hat in den vergangenen 40 Jahren zu vielen überfälligen Veränderungen geführt. In Baden-Württemberg ist die Verfasste Studierendenschaft inzwischen wieder eingeführt worden. Studierende werden heute angehört und einbezogen – nicht nur symbolisch. Die Auswüchse alter Professorenherrlichkeit sind beschnitten. Können wir uns heute wieder mit dem Thema „Talar“ beschäftigen, ohne durch diese Geschichte belastet zu sein?

Anlass für diese Überlegungen ist die Idee, unsere Masterfeier etwas festlicher zu gestalten und die Masterabsolventinnen und -absolventen zur Feier des Ereignisses mit Robe und Barett zu schmücken. Mit einem Zuschuss aus dem Spendentopf der „Alumni Psychologici“ konnte ein Satz an Ausstattung beschafft werden, der für die nächsten Jahre vorhält (ein ganz herzlicher Dank von hier aus an die Groß-Spenderin Anne-Marie de Jonghe!).

Was spricht dagegen? Stimmt es wirklich, dass die Unis, die wissenschaftlich nicht viel zu bieten haben, umso mehr Wert auf Pomp und Getöse legen? Wir haben an dieser Stelle sicher nichts zu kompensieren, daher würde ich mir diesen Schuh nicht anziehen. Ist es eine Amerikanisierung unserer Kultur? Fragen Sie doch mal, von wem die Amerikaner diese Tradition übernommen haben 🙂 Ist es nicht falsche Gleichmacherei? Nun ja, es ist nur äußerlich – und auch nur für eine kurze Zeit. Also: Für mich sind die problematischen Aspekte erträglich.

Was spricht dafür? In meinen Augen erhöht es symbolisch die Bedeutung dieser biografischen Wendemarke „Master“: Für die meisten ist das Studium mit diesem Abschluss vorbei und der berufliche Gelderwerb rückt als Lebensthema nah heran; einige wenige werden als Doktorandinnen und Doktoranden weitermachen. Stolz über das Geschaffte, Feier des Moments, Spannung auf das neu Bevorstehende: Die Anwesenheit von Eltern und Freunden schafft eine Bühne für diesen Moment der Rückschau auf das Erreichte, dem Abschied von der akademischen Heimat, von den Dozierenden und von den Mitstudierenden. Und für einen Moment sind alle im positiven Sinn gleich – die Einheitstracht symbolisiert die Zugehörigkeit zur Gruppe der „Erleuchteten“.

Also: ein Talar ist ein Talar ist ein Talar 🙂 (Danke, Sven, für Deine klaren Worte!) In heutiger Zeit hat er m.E. die kritikwürdige Symbolik verloren und ist einfach nur ein würdiges akademisches Kleidungsstück, mit dem ich nicht allzuviel Sonstiges verbinden würde. Und natürlich ist es jedem freigestellt die Kluft zu tragen oder nicht – es ist ein Angebot, mehr nicht!

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