Dubiose Firma narrt die Öffentlichkeit

Der angebliche Doktor und Professor Henner Ertel, Mann der Geschäftsführerin des Stuttgarter „Instituts für Rationelle Psychologie“ und dessen Chefdenker, hat viele Schlagzeilen produziert: Seit Jahrzehnten wird die bundesdeutsche Presse von seinem Institut mit wunderbaren Berichten über das Sexualverhalten der Deutschen versorgt oder darüber informiert, dass sich „ein neues, schnelles Gehirn“ im 21. Jahrhundert durchgesetzt habe (haha, das werden die weltbesten KfW-Banker nur als Hohn empfinden). Der Report „Eifersucht in Deutschland“ wurde auch vom Spiegel übernommen (Bernd Reuschenbach hat das schon damals nicht glauben können).

Doch jetzt hat Henner Ertel in eigener Sache für Schlagzeilen gesorgt: Unser Düsseldorfer Kollege Jochen Musch hat nach Angaben von Spiegel Online Anzeige wegen falscher Titelführung beim Stuttgarter Amtsgericht erstattet, da die Londoner „University of Neuroscience„, deren Rektor Herr Ertel sein will, nur eine Briefkastenfirma sei und die Titel nicht echt. Auch die taz läßt Zweifel an der Seriosität des Instituts und seiner „Forschungen“ aufkommen. Tatsächlich sind die Untersuchungsmethoden und die Ergebnisse der zahlreichen nur sehr ungenau beschrieben – wohl zu ungenau, um die Echtheit der Angaben prüfen zu können. Sie wurden nie in einschlägigen Fachzeitschriften publiziert, bei denen man sich einem peer-review stellen muß. Nicht peer-reviewed sind seine Bücher, die in der Deutschen Nationalbibliothek ausgewiesen werden.

Das hat die Neuroscience nicht verdient, dass sich hier Geschäftemacher in ihrem Windschatten einquartieren und mit dem Modewort noch Schindluder treiben. Im Blogeintrag des Medienjournalisten Stefan Niggemeier wird aber auch deutlich, dass Wissenschaftsjournalismus eine heikle Angelegenheit ist, weil trotz journalistischer Sorgfalt die Gültigkeit der gemachten Aussagen mangels präziser Angaben nicht nachgeprüft werden kann. Insbesondere da, wo „Geschäftsgeheimnisse“ geltend gemacht werden, hört die Wissenschaft eben auf Wissenschaft zu sein und offenbart ihre Existenz als Geschäftemacherei.

Gut, wenn da einer wie Jochen Musch mal auf den Putz klopft, um zu sehen, was hinter dem schönen Schein steckt und ob es dort nicht hohl klingt…

PS: Dank an eine aufmerksame Blog-Leserin, die mich darauf hingewiesen gemacht hat!

Nachtrag: Das Fernsehmagazin ZAPP hat  einen Beitrag dazu verfasst – im Internet einzusehen unter http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID5014288_REF2488,00.html

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