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Das war der Schlachtruf schlechthin während der vor gut 5 Jahren ausgerufenen Corona-Pandemie. Wie gut, dass wir auf ihn gehört haben – sonst hätte es womöglich noch mehr Tote gegeben … Mit großem Schrecken sehe ich daher auf die amerikanische Unvernunft, das (sehr erfolgreiche) dortige Wissenschaftssystem zu demontieren. Das wird kein rein amerikanisches Desaster verursachen, sondern Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Deswegen kann und darf es uns nicht gleichgültig sein, was in einer der ältesten Demokratien der Welt gerade vor sich geht.

Dass das Gesundheitsministerium von einem Impfgegner (der das laut Tagesschau allerdings leugnet) und Verschwörungserzähler, Robert F. Kennedy Jr., geleitet wird, verspricht nichts Gutes. Auch der bereits dekretierte Ausstieg der USA aus der Weltgesundheitsorganisation WHO läßt für die nächste Pandemie (sie wird kommen!) nichts Gutes erahnen.

Dass etwa die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) zuverlässige Wetterdaten für die ganze Welt (und auch für die USA selbst) liefert, könnte bald Geschichte sein – im Rahmen ihres DOGE-Sparprogramms (DOGE = Department of Government Efficiency, auf deutsch etwa: Ministerium für Behördeneffizienz) entlassen Präsident Trump und sein Helfer Elon Musk („Musk“ bedeutet übrigens auf Deutsch „Moschus“- und was das ist, schreibt Wikipedia sehr deutlich – ich sage nur: ihhh …) laut Presseberichten (siehe auch hier bei AP) hunderte Metereologen. Sie wollen das NOAA um 25% seiner Mitarbeitenden reduzieren, wohl weil es den Klimawandel dokumentiert.

Die Kürzungen, die DOGE bei amerikanischen Universitäten vornehmen will, sind mir im Detail nicht bekannt. Was feststeht: DOGE hat dem „Institute of Education Sciences“ (IES), einer wichtigen Bundesbehörde, die für die Beobachtung der Fortschritte von Schülern und die Bewertung von Bildungsprogrammen zuständig ist, fast 900 Millionen Dollar gestrichen („The layoffs would leave the department with 2.183 workers, down from 4.133 when Trump took office in January.“). Diese Maßnahme hat zahlreiche Forschungsinitiativen zur Verbesserung der Ergebnisse von Schülern effektiv gestoppt. Wie schade!

Regt sich Widerstand? Schwer zu sagen – aber es gibt kritische Stimmen, auch aus dem Hochschulbereich. Z.B. plant unser Honorarprofessor Robert J. Sternberg (Cornell University) einen „op-ed“ zu publizieren (op-ed ist eine Abkürzung für „opposite the editorial page“, also gegenüber der redaktionellen Seite, ist eine Textform, die häufig in Zeitungen, Zeitschriften und Online-Publikationen zu finden ist). Op-eds stellen in der Regel die starke und fokussierte Meinung eines Autors zu einem Thema dar. Sternberg warnt in seinem geplanten op-ed (den ich vorab lesen durfte und der hier nachzulesen ist) eindringlich vor den Folgen von vorgesehenen Streichungen bei den indirekten Kosten (Heizung, Laboraustattung etc.).

Unter dem Titel „Memo to the Business Elite: It’s Time to Stand Up“ hat der Yale-Professor Jeffrey A. Sonnenfeld in der New York Times am 4.3.25 einen Essay publiziert, in dem er zum Widerstand gegen die Kürzungen aufruft. Schon am 18.2.25 hat sich der Präsident der (privaten) Wesleyan University, Michael S. Roth, eindringlich für humanistische Werte in der Hochschulbildung eingesetzt und die vielfach von seinen Kolleginnen und Kollegen praktizierte Neutralität gegenüber den autoritären Eingriffen angeprangert (siehe den Beitrag vom 18.2.25 in der Washington Post).

Ja, es gibt Widerstand – aber reicht das? Wenn ein Autokrat sich über Gesetze stellt, steht es sehr schlecht für die Menschen, die mit dessen Willkür konfrontiert sind – und nicht nur für diese!

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