Wenn jedes Jahr an der Uni Heidelberg „unsere“ 100 Erstsemester BSc (Bachelor of Science) zum Studium zugelassen werden, bekommen im gleichen Atemzug mehrere Tausend (!) unserer Studienplatz-Bewerberinnen und Bewerber eine Absage. Das geschieht an vielen Unis. Früher konnten es Studienwillige im Ausland probieren – Holland, Österrreich, Schweiz – , dort wurden aber schnell Hürden aufgebaut. Ich selbst war 1972 übrigens ein „NC-Flüchtling“ in Basel, weil mein Abi-Durchschnitt von 2,7 für eine ZVS-Bewerbung nicht reichte…
Im gerade erschienenen „Bericht zur Lage der Psychologie“ macht der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie DGPs, Stefan Schulz-Hardt, deutlich: „Unverändert gilt: Psychologie ist ein sehr attraktives und sehr stark nachgefragtes Studienfach. Auf den DGPs-Empfehlungen aufbauende Studiengänge bieten eine sehr gute Ausbildung für unterschiedliche Berufsfelder.“ (Schulz-Hardt, 2025, S. 18)
Um ein paar (staatlich anerkannte) Anbieter psychologischer Studiengänge zu nennen: Hochschule Fresenius, Charlotte Fresenius Hochschule, IU Internationale Hochschule, Europäische Fernhochschule Hamburg, Private Hochschule Göttingen, SFU Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU Wien, SFU Berlin), Medical School Hamburg, PHB Psychologische Hochschule Berlin, SRH Hochschule für Gesundheit, Touro College Berlin. Die Liste ist keinesfalls vollständig und stellt auch keine Empfehlung dar. Für die privaten Anbieter ergibt sich ein gutes „Geschäftsmodell“: Starke Nachfrage bei vergleichsweise preiswertem Einsatz (guter Personalmarkt, keine hohen Gerätekosten wie in anderen Studienfächern, vorliegende Standards).
Die privaten Hochschulen locken mit (z.T. mehrstufigen) Auswahlverfahren und verzichten damit auf einen Numerus Clausus, der immer noch weitgehend auf die Abinote setzt und für das Fach Psychologie sehr hoch liegt (hier eine Übersicht vom WS 2023). Im Jahr 2023 wurde allerdings eine bedeutende Änderung beim Zugang zum Psychologiestudium an deutschen Universitäten eingeführt: der zentrale Studieneignungstest BaPsy-DGPs. Während bei einer Auswahl auf Basis der Abinote Bewerber*innen mit einer Abiturnote von 1,5 oder schlechter typischerweise kaum Chancen auf einen Psychologiestudienplatz hatten, konnten nun auch diejenigen mit Abiturnoten von bis zu etwa 2,8 zugelassen werden, sofern sie ein herausragendes Testergebnis erzielten.
Bei einer Entscheidung „pro/contra private Hochschule“ ist auch zu bedenken, dass bei den Privaten Studiengebühren zu zahlen sind (ca. 30.000 Euro für ein 6semestriges BSc-Studium und nochmal ca. 20.000 Euro für 4 Semester MSc). Die (unterfinanzierten) staatlichen Hochschulen sind dagegen kostenlos. Ein weiterer möglicher Nachteil: mangelnde Zertifizierung des Abschlusses – ncht jede Hochschule ist anerkannt (akkreditiert) und der Studiengang entspricht nicht den Anforderungen für eine spätere Psychotherapeutenausbildung.
Deswegen sollte man auf das Qualitätssiegel der DGPs achten: Die Einhaltung gewisser Mindeststandards in Bezug auf Wissenschaftlichkeit und Forschungsorientierung wird damit garantiert (ich war viele Jahre als Gutachter für das Siegel unterwegs und habe gute wie auch schlechte Angebote gesehen- letztere wurden nicht zertifiziert). Mein Eindruck ist, dass die Qualität nur langsam steigt, vor allem deswegen, weil viele „gute Leute“ an staatlichen Universitäten keine passenden Stellen erhalten und die Privatwirtschaft lockt (die Arbeitsbedingungen sind jedoch nicht immer optimal – viel Lehre).
Die Wahl zwischen einer staatlichen und einer privaten Hochschule bleibt eine individuelle Entscheidung, die sowohl finanzielle Aspekte als auch langfristige Karriereziele berücksichtigen sollte. Während private Hochschulen niedrigere Zugangshürden bieten, sind die Kosten hoch und nicht jeder Abschluss ist für eine spätere Psychotherapeutenausbildung geeignet.
Schulz-Hardt, S. (2025). Zur Lage der Psychologie: Bericht zur Lage der Psychologie in Deutschland. Psychologische Rundschau, 76(1), 1–20. https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000702
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